KrakelKollektiv - Interview mit Barbara Hermanowski


1. War dein Werdegang geradlinig oder hast du schon einmal ganz woanders gearbeitet?
Bevor ich mich als Illustratorin selbstständig gemacht habe, war ich Biologin und habe zehntausend Jahre alte Pollenkörner analysiert. Ich fand meine Arbeit damals sehr spannend. Aber immer hat mir irgendwas gefehlt. Gezeichnet habe ich schon immer und es war auch während meiner Arbeit als Biologin ein wichtiger Bestandteil. Damals noch eher, um meine trockenen Daten anschaulicher zu visualisieren. Und irgendwann hat mein Interesse für den kreativen Anteil meiner Arbeit die Oberhand gewonnen. Einige Jahre war ich mit meinem eigenen Label auf Designmärkten unterwegs, bevor ich in der Corona-Zeit den ersten Schritt Richtung Kinderbuch-Illustration getan habe. Gerade arbeite ich mich in Comics für Kinder ein und finde das einfach großartig!
2. Arbeitest du lieber digital oder analog oder beides? Und warum?
Für die endgültigen Zeichnungen arbeite ich sehr gerne digital, vor allem, weil ich dann in der Bildkomposition noch so viele Freiheiten habe. Ich kann z.B. einzelne Szenen hin- und herschieben, ohne immer wieder alles neu zeichnen zu müssen. Parallel arbeite ich aber auch wahnsinnig gerne analog mit meinem Skizzenbuch und meinem Lieblingskugelschreiber. Kugelschreiber deswegen, weil der nicht verwischt, nicht verblasst und beim "unterwegs zeichnen" auch nicht ausläuft. Mein Skizzenbuch ist der Ort, in dem meine Charaktere das Licht der Welt erblicken. Nebenher experimentiere ich aber auch sehr gerne mit unterschiedlichen Materialien, wie z.B. mit Holzuntergründen, Wachsmalern, Kreidefarbe und ollen ausgefransten Borstenpinseln.

3. Bis Du eher Einzelkämpferin oder Gruppentier?
Beides. Ich liebe es, ganz allein für mich Ideen und Figuren zu entwickeln und zu zeichnen. Als Gesellschaft reicht mir dazu ein Hörbuch oder einfach nur Stille. Ich finde es aber auch unglaublich bereichernd, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen, gemeinsame Projekte zum Gedeihen zu bringen oder einfach mal jemanden zum Quatschen zu haben, der oder die genauso verrückt ist wie ich. Deshalb liebe ich unser Krakelkollektiv so sehr. Wir stoßen Dinge gemeinsam an, helfen uns gegenseitig, geben uns aber auch die Freiheit, für die eigene Arbeit in unseren Kaninchenlöchern zu verschwinden.
4. Wie gehst Du mit kreativen Blockaden um?
Ich akzeptiere sie. Ich sage "Hallo, auch mal wieder da!" und heiße die Gelegenheit willkommen, Routineaufgaben zu erledigen, die mir sonst zu lästig sind. Wenn ich nicht unter Zeitdruck stehe, lasse ich auch mal absichtlich die Seele baumeln, manchmal so sehr, dass mir davon richtig langweilig wird. Dann sind nach spätestens zwei Tagen die Kreativakkus wieder aufgeladen.
5. Welche Bücher liest Du selbst gerne?
Ich lese ziemlich kreuz und quer. Romane, Bilderbücher, Kinderbücher, Comics. Hauptsache eine gute Geschichte, sehr gerne mit schrägen Ideen. Wenn ich was von Percival Everett und Jasper Fforde in die Hände kriege, steckt meine Nase solange im Buch, bis es ausgelesen ist. Genauso geht es mir mit den Hilda-Comics von Luke Pearson und allem von Josephine Mark. Um mal ein paar von den vielen AutorInnen zu nennen, die hier die Regalbretter zum Durchbiegen bringen.

6. Was waren Deine Kindheitshelden und warum?
Mein Herz schlägt schon immer für die Underdogs. Oder für die, die Probleme mit Köpfchen lösen statt mit Superheldengetue. Donald Duck, die ???, Geheimagent Lennet oder die Crew von Captain Future haben mich durch die Kindheit begleitet. Wer mich ebenfalls nachhaltig geprägt hat, war Peter Lustig mit der Sendung Löwenzahn. Er hat seinen Alltag hinterfragt, ist Dingen auf den Grund gegangen (warum sind Fischstäbchen eckig!), hat einfach drauflosgebastelt und wohnte im coolsten Bauwagen überhaupt.
7. Woher kommen Deine Ideen?
Wenn ich das wüsste. Keine Ahnung, wo die sich immer verstecken. Ich weiß nur, wann sie auftauchen. Nämlich meistens, wenn ich am wenigsten nach ihnen suche. Kurz vor dem Einschlafen, am Klo, beim durch den Türrahmen gehen, beim in die Luft gucken. Manchmal entstehen neue Ideen auch, wenn ich für ein aktuelles Projekt recherchiere und auf Informationen stoße, die damit überhaupt nichts zu tun haben, die aber irgendwie spannend klingen. Die notiere ich dann im Skizzenbuch in der Hoffnung, sie dort wiederzufinden.

8. Gibt es Dinge, die Du an Deinem Beruf gar nicht magst?
Na klar! Es wurmt mich, dass ich nicht ausschließlich davon leben kann, Bücher und Spiele zu illustrieren. Da kommt einfach nicht genug Bares über den Tisch. Ständig muss ich auf mehreren Standbeinen balancieren oder nach neuen Standbeinen suchen, wenn ein altes wieder wegfällt. Das ist sehr anstrengend und die unregelmäßige Verteilung der Einkünfte über das Jahr hinweg ist auch nicht beruhigend. Da will ich auch gar nichts beschönigen oder relativieren. Das ist einfach Mist.
9. Was zeichnest Du gerne, was zeichnest Du nicht gerne?
Am liebsten zeichne ich Tiere oder tierähnliche Wesen. Menschen auch, allerdings tue ich mich schwer, ihnen die passende Kleidung auszusuchen. Aber damit tue ich mich auch im echten Leben schwer. Gar nicht gerne zeichne ich Fahrzeuge. Na gut, schön geformte Oldtimer und Fantasiefahrzeuge vielleicht ... aber realistische Bagger und Co. wären mein Endgegner.

