Von KrakelCrew-Mitglied Alex Peter: Zwischen Stift und Windeln – ein persönlicher Einblick in meinen Mama-Alltag als Illustratorin

Schon im Kindergartenalter besuchte ich eine Malschule, weil ich den Stift nie aus der Hand legen konnte. Das Zeichnen bzw. der Stift hat mich über die Jahre nie verlassen, aber es war damals eben nur ein Hobby. Ich habe nie ernsthaft geglaubt, dass man damit Geld verdienen kann.
Daher ging ich erstmal ein paar Umwege: Ich habe eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin in Nürnberg absolviert. Rein theoretisch kann ich ins Englische, Spanische und Französische übersetzen - wer eine gute Übersetzung braucht, wendet sich daher bitte vertrauensvoll an einen Profi, aber nicht an mich.
Viel interessanter: Ich bin auch noch ausgebildete Mediengestalterin (Digital und Print) und habe in Hamburger Werbeagenturen für diverse Kunden gearbeitet. Ich bin heute ziemlich froh als Illustratorin gewisse Zusatz-Skills zu haben (Layouten, Druckvorbereitung, Logoentwicklung, Corporate Design, Gefühl für Fremdsprachen 😀 uvm.)

Als ich dann 2018 zum ersten Mal Mama wurde, ist mir im Laufe meiner Mutterschaft klar geworden, dass ich nicht nur Grafikerin sein möchte. Ich habe also meinen Stift wieder ausgepackt und begonnen wieder zu malen und zu zeichnen. Nach der Elternzeit und dem Umzug 2020 von Hamburg in die Schweiz (nahe Basel um genauer zu sein), habe ich dann auch bald den Schritt in die Selbständigkeit als Illustratorin gewagt! Als Mama ist man ja ganz nah dran am Kinder-Alltag und mir war daher klar, dass ich den Kinderbuch-Bereich erobern muss.
Voller Selbstbewusstsein habe ich mir also ein Kinderbuch-Portfolio aufgebaut und an Verlage geschickt. Ich bekomme übrigens immer noch Scham-Flecken wenn ich an die Illus denke die ich gezeigt habe :D. Die ersten Buchprojekte flatterten dennoch rein (Danke Penguin, das ihr an mich geglaubt habt). Ich war so stolz das ich meinen Traum erfüllen konnte! Mein erster Sohn war zu dem Zeitpunkt auch schon in einer Spielgruppe, das heißt, er war jeden Vormittag gut versorgt, sodass ich Beruf und Familie gut unter einen Hut bekommen habe.

2025 war dann ein spannendes Jahr für mich: Ich erwartete nämlich meine zweites Kind und gleichzeitig war es mein erfolgreichstes Jahr seit Beginn meiner Selbstständigkeit in 2021. Ich habe an zwei Bänden gearbeitet (Kaja und Käpt‘n Pick, erschienen bei Magellan) und an einem sehr arbeitsintensivem Bilderbuch (Mütze und das große Waldabenteuer, erschienen bei Penguin).
Am Anfang der Schwangerschaft fiel es mir oft sehr schwer den Stift in die Hand zu nehmen und zu zeichnen, denn mir war ganze 16 Wochen lang jeden Tag extrem übel. Allein der Gedanke ans Zeichnen hat mich zur Toilette sprinten lassen. Danach wurde es aber nur kurz besser, denn ich litt sehr unter meinen dicken Beinen – langes Sitzen war wirklich körperlich anstrengend. Und als der Bauch dann immer dicker wurde, war sowieso alles nur noch nervig. Umso stolzer bin ich drei Bücher sowie weitere kleinere Illu-Projekte umgesetzt zu haben. Leider musste ich alle Anfragen für ab Oktober bis Ende des Jahres absagen. Das fiel mir richtig schwer, aber arbeiten mit Neugeborenem (und einem Erstklässler) war nicht realistisch – zumindest nicht für mich :D.

Im Oktober kam dann der Kleine zur Welt. Ab dem Moment hat mein „Still“- Gehirn übernommen. Wusstet ihr, dass sich das Gehirn einer Frau nach jeder Schwangerschaft und Geburt nachweislich verändert? Ich kann das jedenfalls bestätigen. An Zeichnen, Malen oder Kreativ-sein war für mich wirklich nicht zu denken. Ich war nicht fähig dazu! Es galt einen neuen Alltag zu erfinden: Der bestand dann hauptsächlich aus Windeln, Stillen, sich neu finden als vierköpfige Familie und der ewigen Frage nach genügend Schlaf.
Erst ca. vier Monate nach der Geburt hat mein Kopf wieder langsam angefangen sich aus dem Mama-Baby-Nebel zu befreien. Ich hatte hin und wieder Lust während der Tages-Schläfchen (wenn das Baby nicht gerade direkt auf mir schlief oder ich bei der Einschlafbegleitung mit eingepennt bin) den Stift in die Hand zu nehmen und kreativ zu werden. Es klang sogar so, als würde er nach mir rufen: „Mama, du hast mich so lange nicht mehr benutzt.“

Oft gilt es aber einfach zu akzeptieren, dass nicht ich meinen Alltag bestimme, sondern meistens das Baby (und manchmal sogar noch der Große). Das ist normal und gehört eben dazu. Auch normal ist wohl diese Zerrissenheit und niemandem gerecht zu werden (schon gar nicht sich selbst) sowie das Gefühl nichts geschafft zu haben am Ende des Tages. Und die meisten Mamas kennen es, man muss Tag für Tag auf's neue Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen: Was ist gerade wichtiger, dass ich esse oder liegen bleibe damit das Baby weiterschläft? Braucht der Große eigentlich bald neue Schuhe? Was koche ich heute Abend? Ich habe gerade tatsächlich (!!) Zeit zu zeichnen, aber was, wenn er gleich kräht und mich aus meinem Flow reißt? Haben wir noch genügend Windeln und wann hab ich eigentlich das letzte Mal geduscht …?
Mit Baby ist man die erste Zeit im Überlebensmodus und nichts ist wirklich gut planbar. Und ich weiß genau, dass ich, je älter der Kleine wird, immer mehr Zeit für mich und den Stift zurückgewinnen werde. Wenigstens ist er nachts mittlerweile ein relativ guter Schläfer. Also „Cheers to Nachtschichten“ wenn dann bald mein neues Buch-Projekt beginnt.

Ich bin wahnsinnig dankbar nochmal diese Baby-Zeit aufsaugen zu können. Mitzuerleben wie meine beiden Söhne sich anhimmeln und der Kleine sich zu einer eigenen Persönlichkeit entwickelt, ist jede Karrierepause bzw. Arbeitszeitreduzierung dieser Welt wert! Der Stift läuft mir nicht davon, das Baby irgendwann schon…. 😉

