KrakelKollektiv- Interview mit Sarah


Warum bist du Illustratorin geworden?
Ich liebe es Illustratorin zu sein, weil ich in diesem Beruf die Möglichkeit habe, eigene Welten und Figuren zu erschaffen. Es macht mir Spaß, meinen Humor in die Bilder einzuarbeiten und in meine ganz eigene, bunte Welt einzutauchen. Nirgends komme ich in so einen tiefen Flow, wie beim Malen. Also was gibt es besseres, als diese Leidenschaft zum Beruf zu machen?
Und wenn man dann noch das Glück hat tolle Geschichten von großartigen Autor*innen zu bekommen, dann ist der Spaß quasi vorprogrammiert!
Noch dazu kann ich mit meinen Bildern Freude und auch Quatsch und Humor weitergeben und vielleicht auch dabei helfen, dass Kinder mit einem guten Wertesystem ausgestattet werden.
Außerdem ist es wirklich wunderschön, wenn ein Kind dir in die Augen schaut und mit einem Strahlen von deinen Bildern schwärmt.
Es tut gut, zu wissen, dass man mit seiner Arbeit anderen Menschen eine gute Zeit schenken kann! Auf der Welt gibt es so vieles, was überhaupt keine guten Gefühle erzeugt. Um so wichtiger ist es, dass man dazu ein Gegengewicht schaffen kann!
Ich kann mir eine Kindheit ohne Kinderbücher gar nicht vorstellen! Und ehrlich gesagt, kaufe ich mir jetzt immer noch Bilderbücher. Einfach weil sie mir Freude machen!
Arbeitest Du digital oder analog oder beides?
Beides.
Ideen und erste Scribbels mache ich immer noch mit Papier und Bleistift. Weil ich einfach freier im Kopf bin, wenn ich nicht schon auf einen Monitor starren muss. Auch Muster und Strukturen erschaffe ich mir immer noch gerne analog. Papier zu fühlen, Farben zu riechen, das Geräusch des Malwerkzeugs zu hören, sind einfach Sinneseindrücke die mich beglücken und noch mal eine ganz andere Art von Kreativität freisetzen, als das digitale Zeichnen.
Im zweiten Schritt übertrage ich meine Skizzen auf meinen Computer und arbeite mit meinem digitalen Zeichenbrett weiter. Ich zeichne meine Skizzen rein und mache auch die Kolorierung am Computer.
Um einfach auch ökonomisch arbeiten zu können, ist das digitale Zeichnen für mich inzwischen unverzichtbar; Korrekturen gehen schneller, weil ich auf vielen Ebenen arbeite und ich kann schneller Farbvarianten ausprobieren. Das ist beim Analogen ja nicht so einfach. Farben müssen eventuell trocknen, man muss Papier erst aufkaschieren, im Zweifelsfall muss man bei einem Fehler, das ganze Bild noch mal malen. Das ist für mich einfach zu viel Zeit, die da verstreicht.

Welche Herausforderungen erlebst du im Alltag als Illustratorin?
Als freiberufliche Illustratorin ist die große Herausforderung, dass man so vieles in einem sein muß.
Die Illustration ist ja nur ein Teil davon, denn ich muss Aquise und Kundenbetreuung machen z.B. durch Messebesuche, Telefonate und Emails. Ich bin Content Creator, um auf den Social Media Kanälen sichtbar zu sein. Wobei ich hier immer noch zwiegespalten bin, wie ich es für mich nutzen möchte. Denn bei den Visionen, die die „Tech-Bros“ in Amerika haben, gruselt es mich schon sehr und ich möchte eigentlich nicht daran teilhaben.
Ich muss meine Buchhaltung machen, also alles was mit Steuer, Einnahmen und Ausgaben zu tun hat. Ich muss Verträge und Honorare verhandeln. Ich muss schauen, dass ich mich weiterbilde. Ich habe einen Newsletter für meine Kund*Innen, den ich pflege. Meine Website muss immer wieder aktualisiert werden. Den Markt zu beobachten, ist auch nicht ganz unwichtig...
Es sind also eine Menge Aufgaben, die noch zu diesem Beruf dazugehören. Um dann auch noch davon leben zu können, reicht es auch nicht, drei oder vier Bücher im Jahr zu machen, das heißt, man muss sich auch eine schnelle Arbeitsweise beim Illustrieren aneignen und ein gutes Zeitmanagement haben. Ich lerne in allem immer noch dazu. Außerdem würde ich mir auch gerne noch andere Märkte erschließen.
Meine größte Herausforderung zur Zeit ist aber neben all den genannten Aufgaben und Aufträgen auch noch Zeit zu finden, an eigenen Projekten zu arbeiten. Denn gerne würde ich mal ein Bilderbuch aus einem Guss entwickeln und umsetzen.
Was zeichnest du am liebsten?
Am liebsten zeichne ich niedliche und freche Tiere und Fantasiefiguren, gerne mit einer Prise Humor. Und natürlich darf dann die dazugehörige Welt auch nicht fehlen. Ich bewege mich da am liebsten in einer Fantasiewelt, die von unserer Realität abweichen darf!

Was zeichnest du gar nicht gerne?
Ich möchte keine Baufahrtzeuge oder Fussballthemen illustrieren. Das langweilt mich total!
Woher kommen deine Ideen?
Das Leben ist meine Inspirationsquelle. Ich bin ein Mensch der gerne beobachtet. Dafür reicht ein Spaziergang oder ein Cafébesuch.
Filme, Bücher, Natur, Musik, andere kreative Menschen, dass alles gibt mir genug, um inspiriert zu sein. Meine Augen und mein Hirn stehen niemals still.
Und was für mich auch sehr wichtig ist, sind Pausen, Seele baumeln lassen. Und Neues ausprobieren!
Ich glaube, wenn man neugierig und offen durch die Welt läuft, begegnet dir an jeder Ecke Inspiration!
Hast Du Lieblingsillustrator*innen?
Ja so einige!
Sven Nordquist, Nina Dulleck, Wiebke Rauers, Karsten Teich, Lisa Aisato, Mauri Kunnas, Oliver Jeffers, Astrid Henn, Almut Kunert, Jim Field, Melissa Castrillon... ach es gibt so viele tolle Illustrator*innen!
Welchen Auftrag würdest du gerne mal machen?
Ich glaube, ich würde gerne für den Kindermann Verlag ein Bilderbuch aus der Reihe Weltliteratur für Kinder machen. Und zwar gerne auf eine freche, witzige, etwas schräge und experimentellere Art und Weise, als ich bisher gearbeitet habe.



